Die blaue Quelle

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Vergessener Brunnen in der Kathedrale von Glasgow wird zur modernen Kunstinstallation

In der Glasgower Kathedrale St. Mungos wurde an diesem Wochenende eine neue, kleine, aber feine, Attraktion eingeweiht: The Blue Well – Die blaue Quelle.

Die Quelle

Die Quelle gehört zum Siedlungskern der Stadt Glasgow. Bereits im 6. Jahrhundert soll der Schutzpatron St. Mungo, auch als Kentigern bekannt, dort seine Anhänger:innen getauft haben. Aus der ursprünglichen Quelle wurde im Laufe der Zeit ein Brunnen und in seiner Umgebung entstand eine kleine Siedlung.

Im 12. Jahrhundert wuchs diese Siedlung zur Stadt Glasgow heran. Beim Bau der ersten Kathedrale im 13. Jahrhundert wurde der Brunnen in die Außenmauer des Unterbaus integriert. Nach der Reformation war es gewöhnlichen Menschen dann verboten, den Brunnen zu besuchen – obwohl er seit Jahrhunderten mit Heilung, Wundertätigkeit und persönlichem Segen in Verbindung gebracht wurde.

Der Brunnen befindet sich heute in der Krypta unter der Kathedrale von Glasgow. Er war mehr als 70 Jahre lang verdeckt und geriet weitgehend in Vergessenheit. Erst im Oktober 2025 wurde er bei archäologischen Arbeiten wiederentdeckt. Zunächst öffneten die Forschenden den Brunnen und untersuchten ihn gründlich. Anschließend wurde das Wasser bis auf den Grund abgepumpt und Schlamm sowie Ablagerungen entfernt. Dabei kamen zahlreiche alte Münzen zum Vorschein. Nach Abschluss der Reinigung füllte sich der Brunnen erstmals wieder mit klarem Wasser.

Die Kunstinstallation

Das Mosaik gehört zum Projekt Glasgow Requiem, in dem die Kunststiftung Aproxima auf kreative Weise die mittelalterlichen Ursprünge, die vorindustrielle Entwicklung und die Gründungsmythen der Stadt interpretiert.

Nach der Freilegung und Reinigung wurden in den Schacht des Brunnens mehrere Röhren aus Glasfaser eingelassen, auf deren Innenseite mehr als 1.000 handgeblasenen blauen und grünen Glasfliesen im Format 8 x 8 cm, mit einer Rückseite aus 24-karätigem Blattgold, verkleidet. Die Fliesen wurden interessanterweise falsch herum angebracht, denn bei ihrer ursprünglichen Verwendung war die Blattgoldseite vorne. Die schottische Künstlerin Joanna Kessel hatte aber ein paar Restfliesen in ihrem Atelier liegen und dachte: Die könnte man doch verwenden? Die italienische Glasmanufaktur Orsoni Venezia 1888 stellte dann mehr von den Fliesen her.

Nun gibt das Glas dem beleuchteten Brunnen einen fantastischen blau-grünen Schein. Der Brunnen soll Teil von mehreren Veranstaltungen zum 850. Gründungsjahr von Glasgow dieses Jahr werden. Den Beginn machten an diesem Wochenende mehrere Konzerte in der Kathedrale.

Ich empfehle ausdrücklich die Seite zur Freilegung des Brunnens und zur Entstehung des Mosaiks!

Glasgow hat mit The Well eine kleine aber feine Sehenswürdigkeit erhalten. Ein Besuch lohnt sich bestimmt, wenn man eh gerade in der Kathedrale ist.

Bilder

Die Bilder sind mit freundlicher Genehmigung von Aproxima Arts; Fotos: Alaisdair Smith

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