Am dritten Tag unseres Urlaubes auf Islay machen wir eine Führung bei Bruichladdich, besuchen den Nereabolls Graveyard und die Destillerie Kilchoman. Anschließend nehmen wir an einer „trockenen“ Führung bei der neuen Destillerie Port Ellen teil. Zum Abendessen gibt es Fish & Chips.
Dieser Bericht handelt vom 4. Oktober 2024, dem dritten Tag unserer Reise auf die Insel Islay.
Inhaltsverzeichnis
- Der dritte Tag
- Führung bei Bruichladdich
- Old Nereabolls Graveyard
- Stipvisite bei Kilchoman
- Führung bei Port Ellen
- Pub-Besuch und Abendessen
Der dritte Tag

Unser dritter Urlaubstag beginnt wieder mit einem Scottish Breakfast. Keinem Full Scottish Breakfast, denn dazu fehlen die Würstchen und die gegrillten Pilze, aber dafür diesmal mit den weißen Bohnen in Tomatensoße aus der Dose. Die fehlten uns gestern morgen leider noch. Beim Einkauf gestern haben wir sie aber besorgt und nun geben sie uns hoffentlich genug Energie für die Aktivitäten des heutigen Tages. Es stehen mehrere Besichtigungen in Destillerien an: Vormittags bei Bruichladdich und Nachmittags bei der neu gebauten Port Ellen Destillerie. Die Zeit dazwischen werden wir spontan, je nach Wetter und Lust und Laune, verplanen.
Führung bei Bruichladdich

Unser erster Termin ist um 10:30 Uhr eine Führung bei Bruichladdich. Die Fahrt dorthin von Port Ellen dauert etwa eine halbe Stunde. Wir melden uns an und schauen uns im Shop / Besucherzentrum ausführlich um. Draußen regnet es nämlich recht stark.
Der Laden ist in einem alten Lagerhaus eingerichtet worden. Auf den Stahlträgern, die die Decke halten, sind viele Flaschen vergangener Abfüllungen nebeneinander aufgereiht. Am hölzernen Tresen werden wir nach der Führung nachher das Tasting bekommen.







Unser Tour beginnt pünktlich und folgt dem üblichen Ablauf der Produktion. Beim letzten Stop im Lagerhaus sehen wir aber erstmals etwas ganz charakteristisches aus der Nähe : Den Schimmelpilz, der sich vom Angels Share ernährt und dafür verantwortlich ist, dass viele Whisky-Lagerhäuser von außen schwarz gefärbt werden.





Als wir zurück in den Laden kommen, steht bereits für jeden ein kleines Brettchen mit drei Gläsen bereit. Es gibt folgende Abfüllungen. Darunter zwei mit ordentlich Torfgeschmack.
- Distillery Exclusive no. 74; Cask: 1418; Rivesaltes 2. Fill; 13 Jahre; 56,7 %
- Port Charlotte; PMC: 01; 2013; 54,5 %
- Octomore 14.4; 59,2 %

Als Fahrer nehme ich zwei nur als Drivers Dram. Als wir fertig sind haben wir noch etwas Zeit totzuschlagen. Unser nächster Termin ist erst um 17 Uhr in Port Ellen.
Old Nereabolls Graveyard
Da das Wetter sich gebessert hat, inzwischen ist es trocken, schlage ich einen Besuch auf dem alten Friedhof von Nereabolls vor. Dort war ich bereits in meinem Urlaub im Jahr 2017. Von Bruichladdich sind es etwa 15 Minuten Fahrt über eine Single Track Road.
Über den aktuellen Friedhof kommt man auf den alten Teil. Hier stehen alte Grabsteine und sogar sehr alte, aus dem 15. und 16. Jahrhundert, verziert mit stilisierten Blättern und mächtigen Schwertern in der Mitte. Zum Schutz vor der Witterung wurden sie sogar mit Glasscheiben abgedeckt.







Stipvisite bei Kilchoman
Da wir noch Zeit haben bis unsere Führung bei Port Ellen beginnt, beschließen wir zur Destillerie Kilchoman zu fahren. Wir haben zwar keinen Termin für eine Führung, die finden immer um 9:45 Uhr und 13:15 Uhr statt und dafür sind wir ohnehin zu spät dran, aber da wir schon einmal in der Nähe sind, können wir uns dort ja mal umsehen. Immerhin gefallen uns die dort hergestellten Whiskys durchgehend sehr gut!
Etwa zwei Kilometer nach Bruichladdich biegt die B 8018 links von der Hauptstraße ab und wird sofort zur Single Track Road. Die Straße schlängelt sich langsam eine Anhöhe hinauf, vorbei an niedrigen Natursteinmauern, unbestellten Feldern sowie kahlen Büschen, verwelktem Farn und braunem Heidekraut. Hier ist noch nicht Frühling in der Vegetation, das sieht man.
Nach rund zehn Minuten Fahrt erreichen wir die letzte Kuppe und plötzlich weitet sich unsere Aussicht radikal. Vor uns liegt ein riesiger See, umgeben von grünen Feldern und brauner Moorlandschaft: Es ist Loch Gorm, der Namensgeber für einen Whisky von Kilchoman.
Es ist generell spannend, wie viele Orte man auf der Karte von Islay entdecken kann, die auch Namen von Whiskys sind: Loch Gorm, Sanaig, Machir Bay, Cragabus, Laphroaig, Lagavulin, Port Ellen, Finlaggan, Bowmore, Loch Uigeadail und viele weitere.

Wir lassen Loch Gorm nach kurzer Zeit rechts liegen und erreichen bald darauf die Einfahrt zur Kilchoman Farm. Wir müssen jedoch erst eine 600 Meter lange Schotterstraße entlangfahren, bis wir schließlich bei der (Farm-) Destillerie ankommen.

Kilchoman ist uns schon beim Eintreffen sympathisch. Es wirkt alles relativ sehr übersichtlich und das ist es auch. Es gibt den Produktionsbereich, es gibt Lagerhallen drumherum und das Besucherzentrum, welches an die älteren Teile der ursprünglichen Farm angebaut wurde. Trotzdem ist die Destillerie eine Insel von Grün umgeben.
Das Besucherzentrum ist eine flache, weite, moderne Stahlhalle, die von innen trotzdem sofort gemütlich wirkt. Es gibt einen modernen Ofen mit gemütlichen Sitzgelegenheiten, eine Bar, einen Verkaufstresen, einen Cafè-Bereich und diverse Regale mit lokalen Souvenirs und Kleinigkeiten.
Besonders positiv fällt mir auf, dass alle Whiskys als Drivers Dram in einem kleinen Fläschen (0,02 l) zum Mitnehmen angeboten werden. Und das zu fairen Preisen. Das ist nicht nur für Fahrer:innen interessant, sondern auch für alle, die viel probieren möchten.





Wir schlendern ein wenig herum und philosophieren über die einzelnen Abfüllungen. Es ist auch etwas neues dabei, was uns hier aber zu teuer ist. Zur Stärkung bestellen wir uns ein Stück Kuchen und einen Kaffee bzw. Cappuccino im Café. Irgendwann fällt jemandem von uns auf, dass es schon kurz vor 14 Uhr ist und um 14:30 Uhr haben wir ja schon den nächsten Termin bei Port Ellen! Und dafür müssen wir wieder einmal über die gesamte Insel fahren!
Also schnell zum Auto und ab nach Port Ellen. Wir legen den Weg hart an der Geschwindigkeitsbeschränkung zurück. Aufgrund der meist schmalen und kurvigen Straßen ist zu schnelles Fahren hier aber weder sinnvoll noch ratsam.

Führung bei Port Ellen

Wir treffen um 14:33 Uhr auf dem Parkplatz der Brennerei Port Ellen ein und erreichen gerade noch die Besuchergruppe vor der Tür. Unsere Führerin reagiert aber sehr gelassen auf unsere leichte Verspätung und heißt uns willkommen.
Die Führung bei Port Ellen ist etwas aus zwei Gründen etwas Besonderes: Die Destillerie ist nagelneu und die Führung ist kostenlos. Und das, obwohl Port Ellen sehr bekannt ist. Die Destillerie liegt im gleichnamigen Ort und wurde im Mai 1983 wegen Überkapazitäten geschlossen. Seitdem ist ihr Name einer der ganz großen in der Whiskywelt. Whiskys unter 1.000 € sind kaum zu bekommen.
Erst im März 2024 wurde die neu errichtete Destillerie von Diageo wiedereröffnet. Seitdem befindet man sich noch in der Einarbeitungsphase. Es gibt also bisher weder New Make noch fertigen Whisky zum Probieren. Whisky muss schließlich mindestens drei Jahre reifen. Der erste Whisky wird also voraussichtlich frühestens im April 2027 trinkbar sein. Man darf auf den Preis gespannt sein.
Umso erfreulicher ist es, dass die Führung kostenlos ist, obwohl es keine Probiermöglichkeit gibt. Ich hätte erwartet, dass Diageo auch hier noch etwas verdienen möchte. Aber es ist ja schließlich auch kostenlose Werbung.



Nach einer kurzen Einleitung beginnt unsere Führung durch die Räumlichkeiten. Es ist wirklich auffällig wie modern, reduziert und schlicht alles ist.






Besonders ist auch, dass es eine kleine, separate Versuchs-Brennanlage gibt. Dort will man, ohne den Tagesbetrieb zu stören, neue Dinge ausprobieren.

Wir werden unserer Führerin zurück zum Eingangsbereich gebracht, wo wir verabschiedet werden.
Für uns alle war es die erste Führung in einer nagelneuen, modernen Brennerei. Alle bisherigen, die wir besucht haben, haben zumindest versucht die alte und neue Substanz zu verbinden. Und das ist ihnen auch überwiegend gelungen. Auch die neue Port Ellen Brennerei hat sich ja an einigen Stilelementen klassischer Destillerien orientiert. Mir gefallen alte Gebäude aber besser. Sie versprühen irgendwie mehr Geschichte und Charakter. Ich finde es gehört zu einer Whisky-Destillerie auch dazu, dass es nicht 100-prozentig sauber ist, dass es staubt oder dass Spinnweben von der Decke hängen. Beim Whisky muss man es mit der Hygiene nicht so genau nehmen. Eine Spinne im Maischbottich verdirbt das Endprodukt schließlich nicht. Der Alkohol tötet sie sicher ab
Wir blicken noch einmal zurück und sind gespannt wie Port Ellen sich wohl entwickeln wird. Und ob wir jemals einen Tropfen von ihr schmecken werden.


Pub-Besuch und Abendessen

Da es bei der Führung ja nichts zu probieren gab, brauchen wir jetzt etwas zum Befeuchten unserer Kehlen und kehren dafür in den Pub The Ardview Inn ein. Dort bestellen wir eine Runde Bier. Überraschenderweise stellt sich heraus, dass die Barfrau aus Deutschland stammt. Ronald hält einen netten, kurzen Plausch mit ihr.
Beim Bier besprechen wird dann die weitere Planung des Tages. Das Problem Abendessen muss wieder einmal gelöst werden. Wir entscheiden uns für etwas zum Mitnehmen vom SeaSalt Bistro & Takeaway. Vorher gehen wir aber nochmal einkaufen im Coop.
Unser Tag endet wieder mit einigen Bieren vor dem Ofen in unsere Ferienwohnung.











